Magazin PdS

Editorial 

Mädchen in einem Rettungboot mitten im Atlantik.
 
 
 
 

Was ist der Mensch.

Arbeit mit Menschen fordert uns immer heraus, als Leiter oder Leiterin nicht selbst Teil dessen zu sein, was Leid und Verletzung  bringt oder gebracht hat. Das scheint mir eine Voraussetzung dafür zu sein, eine gute Arbeit zu leisten. Das ist nicht einfach, denn das Leben und Menschen haben auch uns schon schwer zugesetzt, wir alle haben Verluste zu beklagen, sind verlassen worden, hatten mit Situationen zu tun, in denen wir uns ausgeschlossen oder unfair behandelt gefühlt haben. Wir waren also selbst bereits in der einen oder anderen Weise Teil von Etwas, dessen Wirkung auf uns, uns dazu bringen kann, die erlittenen Verletzungen in irgendeiner Weise zu kompensieren, zu verdrängen oder zu verleugnen, statt sie zu verschmerzen. Wir müssen deshalb an uns arbeiten. Das tun wir für uns selbst, aber wir tun es auch für unsere Klienten und Klientinnen.

Das Problem ist, dass wir trotzdem oft nicht in unserer inneren Mitte sind. Wir verhaken uns an der Oberfläche, sind dann von äusseren Dingen und Menschen abhängig, fürchten manchesmal, für das was wir tun, verurteilt zu werden und sind dann weder in unserer Kraft noch in unserer Weisheit wirklich fest verankert und präsent. Als Aufsteller habe ich mich deshalb gefragt, welche persönlichen Eigenschaften ich bewusst weiter entwickeln sollte, um mit für mich schwierigen Situationen in der Leitung von Gruppen gut umgehen zu können.

Erfahrung im Leiten macht vieles leichter. Aber was ist es denn genau, was mich als Anfänger vom Erfahrenen unterscheidet? Ist es ein besonderes durch Erfahrung zu erwerbendes Wissen? Oder eine innere Gewissheit und innere Ruhe, die mich im Zentrum hält und meine Offenheit begründet und fördert, im Kontakt mit der Situation und den Menschen zu sein? Im Großen und Ganzen scheint es mir genau das zu sein. Was sich verändert, wenn ich die Arbeit an mir selbst als wichtigen Bestandteil meiner Arbeit als Aufsteller begreife ist, dass ich der Lösung im Aussen, für den Klienten und die Klientin nicht mehr mit meiner Unsicherheit, meinen Ansprüchen und meiner Verwirrung im Weg stehe.

Als gut gemeinter Rat kommt diese Erkenntnis vielleicht etwas schlicht daher. Das kann man schon so oder so ähnlich wissen, und kann sich in der Leitung trotzdem noch immer unter Druck fühlen und insgesamt mehr mit sich selbst und seinen reaktiven Mechanismen beschäftigt sein, als mit der Aufgabe in Resonanz zu sein. Ich habe deshalb aus der Beschäftigung mit Murray Bowen und David Schnarch, aber nicht zuletzt mit der Hilfe von Albrecht Mahr sechs Punkte des persönlichen inneren Gleichgewichts entwickelt, mit denen ich seit längerem arbeite. In der Leitung übe ich:

  1. Mich selbst beruhigen und halten.
  2. Mich selbst lieben und akzeptieren.
  3. Ganz ich selbst sein.
  4. Dem Ganzen dienen.
  5. Nichts persönlich nehmen und Zeuge bleiben.
  6. Vertrauen können.

 

Wenn ich diesen Punkten innerlich folge, öffnet sich in der Regel der Raum, meine Entscheidungen haben Kraft und ich bin in Verbindung. Weitere Punkte sind durchaus denkbar. Das Meiste ist meinem Eindruck nach aber damit direkt oder indirekt mit einbegriffen. Manches kann noch erörtert werden. Es gibt meines Wissens aber keinen Grund, diesen Punkten nicht zu folgen. Wie bereits eingangs gesagt, ist das nicht einfach, wie wahrscheinlich jeder und jede weiss, die es bereits versucht haben. Über Rückmeldungen und Ergänzungen freue ich mich.

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