DGfS - Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen    
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Editorial 2/2007

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Was verstehen wir unter „Seele“? Brauchen wir diesen Begriff für die Aufstellungsarbeit, und wenn ja, wie können wir ihn umschreiben? Der traditionelle, meist christlich geprägte, auf die einzelne Person bezogene Seelenbegriff verstellt heute mehr, als er öffnet. Die internationale Entwicklung verankert die Systemaufstellungen auch in Ländern und Kulturen, die eine andere Vorstellung von Seele haben, in denen manchmal der abendländische Seelenbegriff politisch suspekt ist, wie zum Beispiel in der Volksrepublik China, oder die ganz ohne Seelenbegriff auskommen, wie zum Beispiel im Buddhismus. Auch die moderne Psychologie spricht allenfalls von der Psyche und meint damit Prozesse in unserem Denken und Fühlen.

 

Bert Hellinger hat schon vor den „Bewegungen der Seele“ der „Seele“ einen zentralen Platz in der Aufstellungsarbeit eingeräumt und diesen Begriff in der letzten Zeit durch den „Geist“ ergänzt. Welchen Sinn macht es, im Unterschied zum „Geist“ oder „spirit-mind“ von „Seele“ zu sprechen? 

Ist „Seele“ phänomenologisch zugänglich? In welcher Verbindung steht der Körper dazu, der mit seinem Ausdruck, seinen Bewegungen und seinen Gefühlen eine so große Rolle in Aufstellungen spielt? Reicht es für unsere Arbeit, wenn wir einfach neue Begriffe wie den des „wissenden Feldes“ benutzen? Oder ist das nur ein neues, nicht weniger erklärungsbedürftiges Wort?

Wir könnten das als abstrakte Fragen abtun, wenn die Erlebnisse der Aufstellungen nicht nahelegen würden, dass wir in ihnen „der Seele bei der Arbeit zusehen“ können. Die erstaunlichen und bewegenden Prozesse in Aufstellungen lassen sich nicht adäquat „psychologisieren“ oder nur pragmatisch und methodisch für Lösungen verwenden, ohne über die sich dort zeigenden „seelischen“ Phänomene zu sprechen und zu reflektieren.

 

Christoph Wild macht in seinem Artikel „Über die Seele reden“ den Anfang einer – wie wir hoffen – Reihe von Artikeln, die sich mit diesem Thema, bezogen auf unsere Lebens- und Aufstellungserfahrungen, beschäftigen. 

 

Zu dem Interview mit dem Ehepaar Görnitz in der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift ist eine Diskussion auf einer ganz anderen, aber vielleicht gar nicht so entfernten Ebene entstanden, nämlich der möglichen Berührung der Aufstellungsphänomene mit Erkenntnissen der modernen Physik. Einige Diskussionsbeiträge dazu haben wir in diesem Heft abgedruckt. 

Ein anderer Schwerpunkt dieses Heftes liegt wieder auf der Versöhnungsarbeit in ihren vielfältigen Facetten. Dieses Thema ist so zentral für die Aufstellungsarbeit, dass es uns ständig begleiten wird. 

 

Wir möchten zu dem Artikel von Herrn Gehrmann, den wir unter der Rubrik „Bedenkliches“ aufgenommen haben, hier eine Anmerkung machen. Die Redaktion teilt seine scharfe Kritik in Bezug auf die empirische Untersuchung zu Aufstellungsphänomenen von Schlötter nicht in gleicher Weise. Gehrmanns Kritik verweist aber darauf, dass wir in der Beobachtung von Aufstellungsphä-nomenen viel weiter ausholen oder tiefer gehen müssen, als Schlötter (oder auch andere empirische Studien) nahelegen. Das war Anlass für uns, diesen Artikel aufzunehmen. Auch dieser Text zeigt, dass es Sinn macht, sich über Aufstellungen und „Seele“ Gedanken zu machen, die an der Erfahrung überprüfbar sind, um die Kriterien für unsere Beobachtungen weit und treffend genug zu halten.

 

Diese Ausgabe enthält einige sehr unterschiedliche Artikel, die als Vorträge während des letzten Kölner Kongresses gehalten wurden. Wir danken den Referenten, dass wir ihre Beiträge abdrucken dürfen. Auch in der folgenden Nummer werden wir vermutlich noch von den Kongressbeiträgen zehren. 

 

Mit den besten Wünschen für eine ertragreiche Lektüre.

 

Die Redaktion

 


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Ausgabe 2/2007

Die bisher erschienenen Ausgaben sind als Einzel-
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Die umfangreiche Ausgabe 2/2010 ist als Einzel-
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