DGfS - Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen    
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Editorial 1/2005

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„... Das ist schon die Geschichte. Wie der Horror weiterarbeitet, über Generationen. Egal ob Täter oder Opfer. Enkel haben Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, weil die Großmutter auf der Flucht nach links gegangen ist und überlebt hat. Zufällig. Rechts war der Tod. Enkel haben Angstzustände, Panikattacken, Schuldgefühle, Verhaltensstörungen – wegen Erlebnissen, die sie nie hatten ...“

Diese Zeilen sind einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 20.4.05 entnommen, aus einer Artikelserie über die letzten fünfzig Tage des Zweiten Weltkriegs. Er berichtet von einer Frau, für die es unerträglich geworden ist, in einer Stadt zu leben, die geprägt ist von den Traumata der Eltern und Großeltern. 

Warum wir das hier an den Anfang setzen? Wenn wir die Augen und Ohren aufmachen, können wir wahrnehmen, wie sehr die Kernanliegen und Erfahrungen des Familienstellens in Zeitschriften, Literatur und Film in die gesellschaftliche Aufmerksamkeit treten, völlig unabhängig von der Aufstellungsarbeit. Das Unbewusste, die Eltern-Kind-Thematik, die  Auseinandersetzung mit dem „Bösen“, der Krieg und seine Folgen, das Sprechen von der Seele, die sozialen Verstrickungen über Generationen treten zurzeit stark ins öffentliche Bewusstsein. Die zurück-gegangenen Anmeldungen in Aufstellungskursen und Fortbildungen zum Systemestellen, die öffentliche Kritik, die allgemeine Zurückhaltung, Geld auszugeben auch für die seelische Gesundheit, soweit es nicht dringend nötig ist, haben im Blick auf die Zukunft bei manchen unter uns eine sorgenvolle, ja vielleicht sogar deprimierte Stimmung hinterlassen. 

Wir glauben aber, dass es gut tut, der Aufstellungsarbeit „treu“ zu bleiben und sie offen und kraftvoll weiterzutragen. Salopp gesagt: 

Wir sind im Trend.

Auch erscheinende Literatur und die Tagungen zum Systemestellen zeigen einen Trend der Aufstellungsarbeit: Sie wird praktisch immer besser, theoretisch immer mehr fundiert, und die Kreativität wirkt unvermindert. Wir bauen darauf, dass auch die Artikel in unserer Zeit-schrift diese Tendenz wiedergeben, die Mut machen und das Selbst-vertrauen in unsere Arbeit stärken kann. 

Zum Faschismusvorwurf gegen ihn hat Bert Hellinger vor einem Vortrag zum Thema „Nur die Liebe hat Zukunft“ öffentlich Stellung bezogen. Der Vortrag selbst zeigt vielleicht gut, wo Bert Hellinger in seiner Arbeit zurzeit steht. Heinz Stark greift ein Thema auf, das nicht nur in Fortbildungen viele Aufsteller beschäftigt: Wie können klassische Aufstellungsarbeit, die Bewegungen der Seele und die Bewegungen des Geistes zusammengehen? Klaus Grochowiak bereichert und erweitert die Aufstellungsarbeit in Organisationen mit seinen Überlegungen zu den „Ordnungen der Macht“, und die jeweiligen Artikel von Friedrich und Dagmar Ingwersen zeugen von der therapeutischen Erfahrung, Kompetenz und Vielseitigkeit, in welche die Aufstellungsarbeit bei vielen in der „Szene“ eingebettet ist.

Natürlich gibt es noch mehr zu lesen, hoffentlich zur Zufriedenheit vieler Leser. Nicht alle uns zugeschickten Beiträge können wir veröffentlichen. Oft hat die Redaktion die Qual der Wahl, und manche Autoren müssen wir enttäuschen. Aber auch die nicht publizierten Artikel tragen zur Qualität und Vielseitigkeit der Zeitschrift bei.

 

Die Redaktion

 


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Ausgabe 1/2005

Die bisher erschienenen Ausgaben sind als Einzel-
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