DGfS - Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen    
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Editorial 1/2012

 

 

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Es freut uns außerordentlich, dass wir in diesem Heft das Manuskript des Vortrages veröffentlichen können, den der Philosoph Wilhelm Schmid auf dem Regionaltag der DGfS Bayern-Süd gehalten hat. Er handelt von der Neuerfindung der Liebe und der „Lebenskunst im Umgang mit anderen“. Schmid fragt: „Was ist das eigentlich, ,die Liebe‘?  Und was heißt βdie Liebe neu erfinden‘?“  Er beschreibt die Liebe zwischen Mann und Frau in ihren vielen Facetten und stellt die These auf: „Der Sinn der Liebe ist die Schaffung von Sinn.“ Hier betreibt jemand praktische Philosophie im wahrsten Sinne und führt uns Themen und Probleme, Schönheiten und Schwierigkeiten und auch Lösungswege vor Augen, die jenseits unserer häufigen Verstrickungsthematik Sinn stiften, Mut machen und viele Anregungen für die Paartherapie geben.

 

„Wie bedeuten Aufstellungen ?“ Vermutlich finden die meisten Leser diese Formulierung zumindest überraschend. Dem Autor Hunter Beaumont ist diese Übersetzung des englischen Titels „How Do Constellations Mean?“ wichtig. Der Artikel gibt seinen Vortrag wieder, den er auf der letztjährigen US-Konferenz der Aufsteller in San Francisco gehalten hat. Die Bedeutung, die wir Aufstellungen geben (und Aufstellungen uns?), entstehen in einem sehr komplexen und kontextabhängigen Prozess aller Beteiligten und danach in dem, wie ein Klient sie in seinen inneren Prozessen und Verhaltensweisen umsetzt. Allzu einfache Deutungen oder gar linear-kausale Zuschreibungen verbieten sich. Die Deutungsprozesse in und von Aufstellungen stellen uns vor wesentliche Fragen, die auch in einigen der Artikeln in diesem Heft zum Ausdruck kommen.

 

In der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift haben wir einen Bericht einer Aufstellung zu „Abraham“ veröffentlicht. In dieser Nummer setzt sich Lorenz Zellner kritisch sowohl mit dieser Aufstellung als auch der Sicht auf den Stammvater Abraham auseinander. Hier mag für den Leser lebendig werden, was Hunter Beaumont über den differenzierten Umgang mit Bedeutungen anspricht. Oder in dem Artikel von Christoph Wild, der die repräsentative Wahrnehmung in Analogie zu Ken Wilbers Unterscheidungen auf „Bewusstseinszustände des Schauens“ zurückführt. Bedeutungen entstehen hier durch Wahrnehmungen im Sicheinfühlen. Oder im Interview mit Harald Homberger, der mit Krebspatienten arbeitet. Was ist der Grund für Krebs? Natürlich gebe es vielfache Ursachen für diese und andere schwere Erkrankungen. Die Aufstellungsarbeit zeige aber, dass auch immaterielle Faktoren eine Rolle spielten, die aus den Bewegungen der Seele kämen. Gerade im Blick auf Symptome: Welchen Zusammenhang deuten wir da, wenn wir Aufstellungen in Bezug auf den Leidenshintergrund bei körperlichen Symptomen und symptomatischen Verhaltensweisen anleiten?

 

Schon die Aufstellungsarbeit in ihrer Gesamtheit baut auf einen Bedeutungszusammenhang auf, mit dem sich unsere Zeitschrift immer wieder auseinandersetzen möchte. Können wir diesen Rahmen formulieren? Wir möchten unseren Lesern hier eine Formulierung von Elisabeth Kiderlen weitergeben, die sich in Bezug auf Vorgänge in Israel und dem Iran am 25.4.2012 in der Süddeutschen Zeitung finden ließ (S. 11): „Doch wer die Schatten der Vergangenheit nicht klar von den realen Gefahren der Gegenwart trennt, liefert sich dem Echo erfahrenen Leidens aus und zerstört die eigene Zukunft.“

 

Die Schatten der Vergangenheit und ihre Wirkung auf die Zukunft! Ein zentrales Thema ist dabei auch die Frage nach der Schuld und dem Umgang damit. Bertold Ulsamer hat dazu ein neues Buch geschrieben: „Schuld verstehen und heilen“. Ein Kapitel zum Thema des Ausgleichs nach einer schuldhaften Tat drucken wir in dieser Nummer ab. Eine andere bedeutsame Frage in allen psychosozialen Bereichen bezieht sich auf die Veränderungsfähigkeit des Menschen. Während des diesjährigen Aufstellertreffens in Uslar hielt Gerhard Roth einen Vortrag, der im Blick auf den Bauplan unseres Gehirns die skeptische Haltung  der Gehirnforschung zu dieser Frage beschreibt. 

Der in dieser Ausgabe zu findende Artikel – den Vortrag selbst müssen wir aus zeitlichen Gründen den Lesern vorenthalten – gibt allerdings nicht die mündlich vorgetragene Hoffnung von Gerhard Roth wieder, dass zwar nicht unsere Einsicht, aber das menschliche Miteinander uns für Veränderungen in gewissen Grenzen offen macht, in Bezug auf die Psychotherapie besonders die therapeutische Beziehung.

 

Außerdem finden die Leser eine Reihe anderer Themen in diesem Heft angesprochen, zu Supervisionen, politischen Aufstellungen, Drehbuchaufstellungen, Strukturaufstellungen im Zusammenhang von Wissensvermittlung und einem wichtigen Forschungsprojekt zur Wirksamkeit von Systemaufstellungen. Nicht zuletzt widmet sich Rüdiger Schäfer im Blick auf Dürers Bildnis seiner Mutter dem Nehmen der Mutter im künstlerischen Vollzug. Die an der DGfS interessierten Leser können nicht nur an wichtigen Ereignissen des Verbandslebens teilnehmen, sondern auch an einigen freudigen und traurigen persönlichen Würdigungen.

 

Die Redaktion


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Ausgabe 1/2012
Praxis der Systemaufstellung Ausgabe 1/2012

Die bisher erschienenen Ausgaben sind als Einzel-
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Die umfangreiche Ausgabe 2/2010 ist als Einzel-
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