DGfS - Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen    
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Editorial 2/2006

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Aufstellungsleiter sind bemüht, sich in absichtsloser und ergebnisoffener Haltung den Prozessen in Aufstellungen auszusetzen. Dies gilt für die meisten Aufsteller auch in Bezug auf die weiteren Entwick-lungen der Aufstellungsarbeit, zum Beispiel die Konzentration auf die geistige Dimension des Familienstellens. Bert Hellinger möchte seine diesbezüglichen Einsichten noch reifen lassen, und wir würden uns freuen, von ihm in der nächsten Ausgabe dazu einen Artikel zu erhalten. Der Bericht von Michaela Kaden über die Yoga-Praxis der „Inneren Stille und des neutralen Geistes“ gibt ein Zeugnis von der Haltung, Aufstellungen in einem „absichtslosen Raum“ zu leiten, wie sie vor allem in den „Bewegungen der Seele“ und den „Bewegungen des Geistes“ zum Zuge kommen.

 

Was sich uns in Aufstellungen zeigt, ist aber nicht unabhängig davon, mit welchen Vorannahmen wir der in ihnen aufscheinenden Wirklichkeit begegnen. Man muss in Bezug auf die Aufstellungsarbeit nicht so weit gehen wie Einstein, wenn er sagt, erst die Theorie entscheide darüber, was man beobachten könne. Dennoch sind viele Einsichten, mit denen wir in Aufstellungen arbeiten, nicht das Ergebnis von Aufstellungserfahrungen, sondern von Einsichten, die aus dem Nachdenken über diese Erfahrungen und die uns begegnende Wirklichkeit resultieren (so zum Beispiel bei Bert Hellingers Einsichten zum Gewissen). Eine Einsicht erwächst uns häufig aus einer in einen offenen seelisch-geistigen Raum entlassenen „Hin-sicht“. Ohne diese „Hinsichten“, gegeben zum Beispiel durch die Person des Klienten oder das Wissen des Aufstellungsleiters von systemischen Zusammenhängen oder dem Nachdenken über das „Gute“ und das „Böse“ in der Welt, wie wir sie erfahren, hätte der „offene Raum“ keine Grenzen und damit keine Tiefe und Resonanz. Er könnte sich nicht auf Fakten beziehen und fände kein Gewahrsein, kein Bewusstsein, keine Sprache.

 

Es macht also Sinn, sich um das Nachdenken über unsere Arbeit, um „Hinsichten“ zu bemühen. Dem möchte diese Zeitschrift in ihren Artikeln auf vielfältige Weise und im Sinne der von der Redaktion formulierten „Leitlinien“ nachkommen.

 

Christoph Wild gibt anhand des Buches „Schattenseiten“ von François Jullien einen sehr klaren Überblick über die unterschiedlichen Sichtweisen zum „Bösen“ in der westlichen und altchinesischen Kultur. Auch in den weiteren Themenartikeln geht es in unterschiedlichen Facetten um unsere Einstellung zu und unseren Umgang mit dem, was wir als „böse“ erleben, und den „Tätern“. 

 

Die Anordnung, die wir den Artikeln unter bestimmten Rubriken geben, ist nicht immer stringent. Die Logik unserer Anordnung bleibt grob und versagt häufig vor der vielfältigen Thematik und Lebendigkeit dessen, was Autoren mitteilen möchten. So findet der Leser unter „Prozesse der Aufstellungsarbeit“ sehr Unterschiedliches, in einem Bogen von der Praxis des „neutralen Geistes“ und von einer Legende des Baalschem mit ihrer Aussage „das Recht ist bei den Lebenden“ über das Einbeziehen von Ritualen in die Aufstellungsarbeit und die zur Diskussion gestellte Frage „Familienseele oder Individuation“ bis hin zur Arbeit mit Krebspatienten. 

 

Wir tragen dem Blick über den Zaun zu anderen Methoden wieder gerne Rechnung, diesmal in Bezug auf eine besondere Form der Traumabegleitung und auf Mediation, aber auch im Blick auf eher theoretische Fragen. Besondere Aufmerksamkeit wünschen wir dabei dem Artikel von Thomas Latka zu japanischen Vorstellungen über das „Denken in Räumen“. Die Frage nach dem Verständnis des „Aufstellungsphänomens“ berücksichtigen wir diesmal mit einer Darstellung von Franz Ruppert zu den „Spiegelneuronen“ und von Adrian Galarza zur Hypothese der „morphischen Resonanz“.

 

Wir freuen uns sehr, dass wir zwei gründliche Artikel zum Bereich „Organisation“ und „politische Aufstellung“ und eine interessante Katamnese zu Aufstellungen anbieten können. 

 

Besonders dankbar sind wir, dass internationale Autoren, die internationale Entwicklung der Aufstellungsarbeit und Themen in Verbundenheit mit anderen Kulturen einen immer größeren Anteil in unserer Zeitschrift erhalten können.  

 

Die Redaktion

 


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Ausgabe 2/2006

Die bisher erschienenen Ausgaben sind als Einzel-
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Die umfangreiche Ausgabe 2/2010 ist als Einzel-
heft zu Euro 22,- zzgl. Versandkosten erhältlich. 

 

 

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