DGfS - Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen    
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Editorial 1/2008

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Seele und Geist. Mancher mit der Aufstellungsarbeit verbundene Leser mag sich vielleicht fragen: „Wo führt das hin?“ Versteigt sich diese Zeitschrift in philosophische Gefilde? Gibt die Praxis der Aufstellungen nicht mehr genügend konkrete, praxisorientierte Themen her?

 

Mit dieser Ausgabe der „Praxis der Systemaufstellung“ feiern wir das zehnjährige Jubiläum.

Wir denken, wir haben Grund zum Feiern und hoffen und wünschen, Sie als Leser teilen zumindest im Großen und Ganzen dieses Selbstbild, das Gunthard Weber einer Würdigung für wert befindet.

Wenn wir von den Anfängen etwa um 1982 und 1983 ausgehen, als Bert Hellinger begann, mit Familienaufstellungen zu experimentieren, damals noch im Zusammenwirken mit Skriptanalyse, Primärtherapie und anderen Methoden, blicken wir auf ungefähr 25 Jahre Aufstellungsarbeit zurück. 

In diesen Jahren hat sich ein großer Erfahrungsschatz angesammelt. Es scheint uns unausweichlich zu sein, dass sich in dieser langen erfahrungsbetonten Zeit nicht nur neue, kreative Methoden des Aufstellens herausbilden, sondern auch ein inneres Bedürfnis nach einem möglichst begründeten und reflektierten Arbeiten. Zudem erfordert jede neue Methode, wenn sie Gehör und Platz im Methodenkonzert von Psychotherapie und psychosozialer Beratung finden will, eine genügend klare theoretische Auseinandersetzung mit sich selbst und mit anderen Methoden. Aufschlussreiche Gedanken dazu hat sich Martin Hell in seinem Artikel zu einer Wissenschaft der Systemaufstellung gemacht.

 

Also Seele und Geist? Wir freuen uns, ein Kapitel aus dem neu erschienenen Buch von Hunter Beaumont abdrucken zu dürfen: „Was nimmt die Seele wahr?“ Wie schon Christoph Wild mit den „phänomenologischen Lockerungsübungen“ zum Thema „Seele“ in der letzten Ausgabe, zeigt Hunter Beaumont, wie phänomenologisch, lebendig und „menschlich“ so ein „großes“ Thema angegangen werden kann. Von Bert Hellinger sind viele Leser gewohnt, dass er seine philosophischen Gedanken erlebnisnah in seinen Kursen vermittelt. Sein „Gehen mit dem Geist“ scheint uns ein wichtiger An-stoß zu sein, sich mit der Aufstellungsarbeit unter den Aspekten von „Seele“ und „Geist“ zu befassen. Einen ursprünglich der Zeitschrift zugesandten diesbezüglichen Beitrag haben wir zugunsten seiner Aussagen zum Neuen Familienstellen während eines Schulungskurses in Barcelona ausgetauscht. Sie finden diesen Beitrag – auf Grund der sich unter anderem daran entzündeten Kontroverse – im Verbandsteil dieser Ausgabe.

Was es heißt, „mit Leib und Seele“ zu philosophieren, kann der Leser mit dem Artikel von Siegfried Essen nachempfinden, während sich Jakob Robert Schneider dem Thema „Seele“ und „Geist“ eher auf herkömmliche Art in Verbindung mit den Wirkprinzipien der Aufstellungsarbeit nähert. 

Besonders möchten wir den Leser auf das Interview von Billy Meyer mit Daan van Kampenhout hinweisen. Hier wird das Sprechen von der Seele sehr konkret in Bezug auf unsere Eingebundenheit in unseren „Stamm“ und die Folgen für die Täter-Opfer-Beziehungen.

 

Auf zwei Artikel zu anderen Themenfeldern möchten wir den Leser noch gerne hinweisen: Nachdem wir im Blick auf das Aufstellungsphänomen mit der Quantenphysik Kontakt aufgenommen haben, folgt in dem Artikel von Freda Eidmann und Gerald Hüther nun ein erster Austausch mit der Neurobiologie. Dagmar Ingwersen lenkt unseren Blick auf eines der wichtigsten Praxisfelder der Aufstellungsarbeit: die psychosomatischen Symptome.

 

Leider geht Bert Hellinger mit seinem „neuen Familienstellen“ einen Weg, der die Verbände DGfS und ISCA zu Abgrenzungen von ihm veranlasst (siehe im Verbandsteil), nicht zuletzt, um das Systemestellen aus einer öffentlich verpönten Ecke herauszuholen und vor irreführenden Assoziationen zu schützen. 

Wir sind als Zeitschrift der DGfS zwar in den Verband eingebunden und auch personell überlappen sich DGfS und Zeitschrift. Dennoch bitten wir die Leser, Verbandsnachrichten und -berichte nicht mit Meinungen und Überzeugungen der Redaktion gleichzusetzen. Als Zeitschrift für das Familien- und Systemestellen möchten wir Bert Hellinger und seinen Entwicklungen weiterhin aufgeschlossen begegnen, auch, wenn nötig, mit klaren Unterscheidungen. Wir werden uns bemühen, wie im Editorial der ersten „bunten“ Nummer (1/2000) angekündigt, die Zeitschrift dialogisch fortzuführen.

 

Die Redaktion

 


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Ausgabe 1/2008

Die bisher erschienenen Ausgaben sind als Einzel-
heft zu Euro 18,– zzgl. Versandkosten erhältlich.


Die umfangreiche Ausgabe 2/2010 ist als Einzel-
heft zu Euro 22,- zzgl. Versandkosten erhältlich. 

 

 

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