DGfS - Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen    
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Editorial 1/2007

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Dieses Heft ist durch zwei thematische Schwerpunkte geprägt. 

   

In dem Interview mit dem Ehepaar Görnitz geht es um das naturwissenschaftliche Verständnis von Information. Von Beginn an wird die Aufstellungsarbeit begleitet vom Staunen über das „Aufstellungsphänomen“ und die Frage: „Wie können Stellvertreter ohne Kommunikation Informationen aus einem ihnen fremden Beziehungssystem wahrnehmen?“ 

In den Leitlinien zu unserer Zeitschrift sprechen wir von Feldtheorien der Biologie und der Quantenphysik und von nonlokaler Verschränkung. Was kann das heißen? Können wir bei der Suche, die Erfahrung der repräsentierenden Wahrnehmung besser zu begründen, auf Theorien und experimentelle Ergebnisse der Quantenphysik zurückgreifen? Information wird von vielen Quantenphysikern inzwischen in Äquivalenz zu Materie und Energie als grundlegende Wirklichkeit aufgefasst, vorgängig zum Sender-Empfänger-Modell, zur Übertragung und zur Bedeutungsebene der Information. 

Wir denken, es lohnt sich, das Interview aufmerksam zu lesen und daraufhin abzuklopfen, was die (noch sehr in Diskussion befindlichen) Erkenntnisse der Quantenphysik für das Verstehen der Vorgänge in Aufstellungen und umfassender für „seelische Teilhabe“ und die Vorgänge im Bewusstsein und Unterbewusstsein bedeuten können. 

 

In einem zweiten thematischen Schwerpunkt richten wir den Blick auf die „Bewegungen des Geistes“ und die Auseinandersetzung mit Bert Hellingers Entwicklung der Aufstellungsarbeit zum „geistigen Familienstellen“. Bert Hellinger sieht in dieser verdichteten Form der Aufstellung das Wirken des auf uns wie von außen zukommenden, den Kosmos erfüllenden Geistes, der immer auf Einheit und liebende Zuwendung zielt. Ohne von einer Absicht des Aufstellers oder der Stellvertreter gesteuert zu sein, erfasst er diese und zeigt er seine jede Spaltung und Verdrängung auflösende, urteilslose Zugewandtheit zu allem und jedem. 

Wir geben einige Texte zu den Bewegungen des Geistes aus Hellingers neuem Buch „Innenreisen“ wieder. Dazu können Sie eine kurze Beschreibung des geistigen Familienstellens lesen, wie es Bert Hellinger auf einem Kurs in der Schweiz erklärt hat, ergänzt durch eine persönliche Wahrnehmung der Praxis des geistigen Familienstellens von Margreet Mossel, mitgeteilt im englischen Diskussionsforum „constellation talk“. 

Macht die Beobachtung des Wirkens des Geistes in entsprechend geleiteten Aufstellungen das Nachdenken über die Vorgänge überflüssig? Wilfried Nelles setzt sich ausführlich mit der vielleicht „spirituell“ oder „mystisch“ zu nennenden neuen Entwicklung Bert Hellingers auseinander.

Schon seit Längerem entwickeln sich aber auch andere theoretische und praktische Modelle, in denen sich die Aufstellungsarbeit der geistigen und spirituellen Bewusstwerdung zuwendet. H. D. Gruenn ergänzt in Anlehnung an das Denken von Ken Wilber das phänomenologische Vorgehen mit der „Spiraldynamik“. In ihr wird ein Entwicklungsmodell des Bewusstseins ausgedrückt, das man durchaus in Beziehung zu Entwicklungen der Aufstellungsarbeit und ihren unterschiedlichen Bezugspunkten sehen kann.

Siegfried Essen schließlich expliziert seine Denk- und Arbeitsweise der autopoietischen Aufstellungen. Bert Hellinger sieht in den Prozessen der Aufstellung das beobachtbare Wirken eines göttlichen Geistes am Werk. Die Quantenphysik eröffnet die Möglichkeit einer Art geistigen oder seelischen Verschränkung in informativen Ganzheiten, innerhalb einer differenzierten und nur in faktischen und möglichen Bezie-hungen vorfindbaren Wirklichkeit. Siegfried Essen aber erlebt und deutet Aufstellungen als „Selbstin-szenierung des Systems“ im Dienst an Selbstwahrnehmung und Selbstausdruck der Systemmitglieder. 

Die repräsentierende Wahrnehmung ist dann keine Frage mehr, weil auf keine Repräsentation mehr Bezug genommen wird.

 

Liebe Leser, die anderen Beiträge in diesem Heft verdienen Ihr Interesse nicht weniger. 

Sie berühren und vertiefen Grundelemente praktischer Aufstellungsarbeit in deren Vielfältigkeit. 

Wir wünschen Ihnen reichhaltige Anregungen.

 

Die Redaktion

 


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