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Aufstellungen in Institutionen am Beispiel Suchtrehabilitation

Interview mit Horst Brömer

Es gibt bereits einige Einbindungen von Aufstellungen in institutionelle therapeutische oder sozialpädagogische Bereiche wie (Privat-) Kliniken, ambulante, öffentliche Einrichtungen und solchen in anderer Trägerschaft. Wir berichten regelmäßig über deren Erfahrungen. Eine gutes Beispiel über vernetzte Arbeit bezüglich aller an einem Heilungsprozess beteiligter Personen und Gruppen ist die Arbeit, die Horst Brömer vor 15 Jahren in der Einrichtung für Suchtrehabilitation "Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V." mit vielen anderen gestartet hat.

Zusätzlich zum Interview sehen Sie weiter unten den PdS-Artikel von 2008, der die Arbeit bis zu dieser Zeit ausführlich beschreibt. Als letztes finden Sie im türkisfarbenen Kasten einen Erfahrungsbericht der Caritas Berlin, die das Modell erfolgreich übernommen hat.                   K.K.

Horst Brömer 

Dipl.Psychologe
Psychologischer Psychotherapeut, Gestalttherapeut, Suchttherapeut, Supervisor, Coach,
Anerkannter Lehrtherapeut für Systemaufstellungen (DGfS), Vorstand ASB OPR e.V., Vorstand Leadership Brandenburg e.V.

http://broemer-berlin.de

PdS-2/2008 - Aufstellungen in der Suchtrehabilitation - Albrecht Mahr und Horst Brömer

Erfahrungen mit Familienaufstellungen in der ambulanten Rehabilitation der Suchtberatung Caritas Berlin

Bezüglich unserer Erfahrungen mit unterschiedlichen Patientengruppen kann ich sagen, dass überwiegend ein verbesserter Zugang zu deren Themen stattgefunden hat.

a) Patienten, die schon längere Zeit bei uns in Therapie waren und mit denen wir aufgrund von Beziehungserfahrungen in der Dyade oder Gruppe immer wieder ihr Verhalten und ihre Gefühle reflektierten, hatten mit eigenen Aufstellungen eine sehr gute Möglichkeit, bereits Besprochenes nochmal bildhaft zu sehen und in einer Art "Übungssituation" für sich verstärkt zu spüren.

In der Mehrheit der Erfahrungen deckten sich die Bilder aus der FA mit den Themen, die bereits in der therapeutischen Arbeit des Patienten aufgetaucht waren, über diese Methode traten aber viele dieser Zusammenhänge noch deutlicher und für den Patienten nachhaltiger in den Mittelpunkt. Bei diesen Patienten war in den ersten Tagen danach meist ein sehr euphorisches und erleichtertes Gefühl vorhanden, sie schienen für sich "etwas verstanden" zu haben. Häufig schlug dieses Gefühl nach längerer Zeit in Ernüchterung oder Enttäuschung um, Patienten äußerten, dass sich "ja nichts wirklich verändert habe". Dies bot aber immer wieder therapeutisch die gute Gelegenheit auf den Unterschied zwischen "Verstehen "und Umsetzung der Erkenntnisse einzugehen. Im Einzelgespräch und in den Gruppen stellten wir immer wieder die Frage, was sie mit ihrem Wissen jetzt anfangen können. Gleichzeitig konnten Ängste, Ambivalenzen  auf dem Weg des Neuen immer wieder besprochen und thematisiert werden. Deutlich wurde, wie wichtig  die Nachbereitung ist, nicht nur als einmalige Angelegenheit sondern als ein Prozess zu dem die Bilder aus den Familienaufstellungen immer wieder herangezogen werden konnten.

b) Für einen anderen Teil der Patienten waren die Bilder beängstigend, sie reagierten mit Ablehnung und Abwertung. Mit diesen Patienten war es aber hilfreich, die damit zusammenhängenden Sorgen und Befürchtungen zu besprechen unter der Fragestellung: „Was wäre, wenn das, was ich dort gesehen habe, zutreffen würde?“ In der Mehrheit der Fälle konnten die Patienten die abgelehnten Themen im Verlauf zulassen, ihre Widerstände wahrnehmen und sich konstruktiv damit auseinander setzen.

c) Auch für ganz neue Patienten waren die Familienaufstellungen, an denen sie nur teilnahmen, hilfreich, eigene Themen zu entdecken; hier prüfen wir aber im Vorfeld sehr, wem wir das zutrauen und wer erst einmal noch über die reguläre Gruppenarbeit hier ankommen soll.

Häufig haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass Patienten ihre eigenen Themen leichter in  "anderen" Familienaufstellungen wahrnehmen und zulassen können als in eigenen. Wir fragen immer welche FA ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist oder welche sie sehr berührt hat und stellen dann gemeinsam den Rückschluss zum Patienten her.

In jedem Fall hat sich die Teilnahme an Familienaufstellungen positiv auf das gemeinsame Gruppengefühl, die Haltequote und den therapeutischen Erfolg ausgewirkt.

Es gab natürlich auch Fälle, die danach abgebrochen haben, ich gehe aber davon aus, dass dies auch ohne FA passiert wäre und durch die Deutlichkeit der FA nur schneller geschah.

Patienten, die "nur" im äußeren Gruppenkreis teilnehmen, haben wir eigentlich nicht, da wir ja Familienaufstellung als verbindlichen Teil für jeden Patienten, der bei uns ambulante Therapie macht, eingeführt haben.

Dies ist natürlich auch Ausdruck dafür, wie sehr wir diese Methode als Unterstützung für unsere Patienten erleben.

Ich bin davon überzeugt, dass das auch nur funktioniert, wenn diese Methode in das Gesamtkonzept der Behandlung passt, dementsprechend vorbereitet und, wie bereits erwähnt, auch immer wieder nachbesprochen wird, so dass die dort gesehenen Themen und Hinweise auch in andere Übertragungssequenzenund Gruppendynamiken eingebaut und reflektiert werden.

Christine Gräbs, Leiterin, Psychotherapeutin                         

27.2.2014

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