praxis der systemaufstellung  -->  Frühere Ausgaben  -->  2/2008 Dienstag, 7. Februar 2012

Editorial 2/2008

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Die Aufstellungsarbeit hat sich eingebürgert und gedeiht. Wir können es daran sehen, wie selbstverständlich inzwischen in vielen Kontexten von Psychotherapie und Beratung die Probleme von Klienten im Zusammenhang von familiären und anderen systemischen Bindungen befragt und sichtbar gemacht werden.

 

Die Fruchtbarkeit des Aufstellens von Beziehungssystemen zeigt sich aber auch in der Weite der Anwendungsbereiche, in der methodischen Kreativität, in der Breite der Integrationsversuche mit anderen Verfahren und dem Bemühen um Evidenzstudien. Diese Nummer gibt dafür ein gutes Beispiel: „Orte erinnern sich“, eine „Stimme des Grenzwächters“ wird eingeführt, die Nähe systemisch-karmischer zu herkömmlicher Aufstellungsarbeit beschrieben. Natürlich haben schon lange der Blick auf die Auswirkungen der Verstrickung im beruflichen Leben und das Nutzen der Aufstellungsarbeit im Kontext von Team, Organisation und Management das Familienstellen begleitet. Viele Kinesiologen fühlen sich von der Aufstellungsmethode angezogen und umgekehrt. Wie sehr die spirituelle Dimension des Familienstellens mit anderen spirituellen Bewegungen „befreundet“ ist, zeigt das Interview mit Idris Lahore, der vor allem von der Tradition der Derwische und taoistischen Quellen angezogen ist. Sehr wohltuend wird hier auch spürbar, wie gut sich die Würdigung der Leistung Bert Hellingers und der geistigen Nähe zu ihm mit anderen Wurzeln und eigenständigem Wirken verbinden läßt. Wie wenig wir den öffentlichen Blick auf die Aufstellungsarbeit scheuen müssen, zeigt der informative Erfahrungsbericht von Mahr und Brömer zur Suchtrehabilitation.

 

Unsere Zeitschrift trägt zwar in ihrem Titel das Wort „Praxis“. Und diesem Schwerpunkt bleiben wir auch verpflichtet. Dennoch bemühen wir uns, das Nachdenken über die methodischen Prozesse von Aufstellungen und die Begriffe, mit denen wir wesentliche Implikationen der Aufstellungsarbeit beschreiben, weiter zu vertiefen. Auch das Bemühen um theoretische Klarheit und der damit verbundene Blick über den Zaun zu anderen wissenschaftlichen Annäherungen an das Menschsein zeigt das Potenzial, das in der Aufstellungsarbeit und ihrem von Bert Hellinger geweckten „Geist“ steckt.

 

Es gibt Schlüsselbegriffe, die unsere Arbeit prägen: „Gewissen“ zum Beispiel ist einer der zentralsten. Zu den Begriffen, die wir vielleicht eher selten befragen, obwohl sie aus unserer Arbeit nicht wegzudenken sind, gehört die „Erinnerung“. Christoph Wild verweist in seinem Artikel auf Aleida Assmann, eine Literaturwissenschaftlerin von internationalem Rang, die sich ausdrücklich mit unserer Erinne-rungskultur auseinandersetzt und – unserem Denken sehr nahe – die Verbundenheit von individueller und kollektiver Erinnerung analysiert und beschreibt. Frau Assmann schlägt dabei unter anderem sehr beeindruckende Unterscheidungen im Blick auf die Täter- und Opfererinnerung vor, die uns helfen können, Aufstellungen zu Täter-Opfer-Beziehungen zu vertiefen.

 

Guni Leila Baxa entfaltet, in Anlehnung an Ken Wilber, ihre Gedanken zu einem anderen wesentlichen Aspekt der Aufstellungsarbeit: dem Spiel von Einheit und Vielfalt. Gerade die spirituelle Konzentration auf den einen liebenden Geist braucht die Komplementarität des Vielen und der Unterscheidung. „Weisheit erkennt, dass Form nichts als Leere ist. Mitgefühl weiß, dass das Eine im Vielen, dass Leere nichts anderes als Form ist“, mit diesem Satz endet dieser Artikel. Die Betrachtung des Zueinanders von Einheit und Vielheit hat viele praktische Konsequenzen für unseren Blick auf „Teile“ und „Ganzheiten“ in Beziehungssystemen, angefangen von der Eltern-Kind-Beziehung bis hin zu der Beziehung des Einzelnen zum „Einen“. Es gibt keine Aufstellung, die nicht dieses Wechselspiel aufgreift und strukturiert.

 

Schließlich möchten wir auf das in Heft 1/2007 begonnene Gespräch mit der Quantenphysik verweisen, indem wir das Podiumsgespräch wiedergeben, welche das sehr erfolgreiche erste Symposion unserer Zeitschrift im Juli dieses Jahres beendet hat.

 

Leider haben wir für den Leser auch einen Wermutstropfen bereit: eine kräftige, aber unumgängliche Preiserhöhung. Wir hoffen, dass die Qualität unserer Zeitschrift es Ihnen wert ist, uns dennoch die Treue zu halten.

 

Die Redaktion


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